Vereinsgeschichte

Im Jahre 1913 kamen einige Männer zusammen, die sich für die Kaninchenzucht begeistert hatten. Ihr Bestreben war, einen Verein zu gründen, um auf diese Weise die Kaninchenzucht gezielt voran zu treiben. Die Gründungsversammlung fand am 10.04.1913 in der Gaststätte Schatz, die fortan Vereinslokal war, statt. Der Verein erhielt die Bezeichnung KZV B 213, München - Haidhausen.

 

Die Gründungsmitglieder waren, Drum Peter, Mühlbauer Josef, Huber Xaver, Edmeier Ludwig, Bader Josef, Stadler Josef, Mundigl Alois, Söllner Michael, Brüglmair Josef, Kapeller Martin und Mies Anton.

 

Dem neu gegründeten Verein gelang es nach kurzer Zeit von der Baufirma Schatz ein Privatgrundstück an der Berg am Laim Str. in Höhe des heutigen Fruchthauses Angerer zu pachten und eine Zuchtanlage mit ca. 20 Parzellen zu errichten.

 

Von diesem Zeitpunkt an begann der KZV B 213 zu blühen und zu gedeihen und aufgrund der Zuchterfolge weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt zu werden. Mangels noch vorhandener Unterlagen und Aufzeichnungen ist über die 20er und 30er Jahre leider wenig zu berichten. Belegt ist, dass regelmäßig monatliche Mitgliederversammlungen stattfanden, die stets gut besucht waren. Die durchschnittliche Teilnehmerzahl betrug zwischen 15 und 20 Mitglieder je Versammlung. Am 24. Juni 1934 konnte der Verein seine Standartenweihe begehen. Patenverein war der KZV B 1, München - Schwabing. Vereinsausstellungen wurden nach Überlieferung in unregelmäßigen Zeitabständen durchgeführt. Austragungen von Vereinsmeisterschaften im heutigen Sinn fanden jedoch nicht statt. Es wurden vielmehr sogenannte „Stammpreise“ für Stämme, die aus mehreren Tieren bestanden, vergeben. Die Kaninchenzüchtervereine waren entweder dem „Reichsbund Deutsche r Kaninchenzüchter e.V.“ oder dem „Bund Deutscher Kaninchenzüchter e.V.“ angeschlossen. Der Kaninchenzuchtverein B 213, München - Haidhausen gehörte dem „Reichsbund Deutscher Kaninchenzüchter e.V.“ (RDK) als Dachorganisation an. Ab 1933 wurde das gesamte Vereinswesen staatlich kontrolliert. Die beiden Kaninchenzüchterverbände „Reichsbund“ und „Bund“ wurden aufgelöst. An deren Stelle trat der „Reichsverband Deutscher Kaninchenzüchter e.V.“, der allerdings ein Jahr später in „Reichsverband Deutscher Kleintierzüchter e.V.“ umbenannt wurde. Die Kleintierarten wurden in sogenannte Reichsfachgruppen aufgeteilt. So die Kaninchenzüchter in „Reichsfachgruppe Kaninchenzüchter e.V. im Reichsverband Deutscher Kleintierzüchter e.V. angegliedert an den Reichsnährstand“. Die Unterorganisationen waren gebietsmäßig in Gau- bzw. Kreisgruppen aufgeteilt, denen jeweils ein Gau- bzw. Kreisgruppenleiter vorstand. Nachdem Verwechslungen mit politischen Gruppierungen nicht auszuschließen waren, wurden die Gaugruppenleiter in Landesfachgruppenvorsitzende usw. umbenannt.

 

Gewaltige Förderungsmaßnahmen sorgten für die Verbreitung der Kleintierzucht. Beihilfen für Tierkauf, Stallbau, Zuchtprämien für Vereinsrassen und Angorakaninchen und vieles mehr waren an der Tagesordnung. Damit nahm die Kaninchenzucht in den 30iger Jahren einen enormen Aufschwung. Vereinsrasse im KZV B 213 waren die Hellen Groß Silber (HGrS). 1936 wurde eine „Frauenfachschaft“ gegründet, die von Frau Lina Karl geleitet wurde. Den Frauenfachschaften oblag u.a. Zuschüsse für Stallbauten (3 RM pro m2). Ein- und Umbauten sowie Tiereinkauf. Für 1938 erhielt der Verein z.B. eine Futterzuweisung von 280 Pfund Gerste.

 

Trotz allem war die finanzielle Lage des Vereins sehr bescheiden, wie der Kassenbericht für 1938 bezeugt (Überschuss 56,56 RM).

 

1938 wechselte der Verein in das neue Vereinslokal „Geflügeltes Rad“ an der Ampfingstraße, das er bis 1949 beibehielt.

 

Züchterisch konnte sich der Kaninchenzuchtverein B 213 München-Haidhausen sehr wohl sehen lassen (Gezüchtete Tiere 1937: 374/ Gezüchtete Tiere 1938: 383/ Gezüchtete Tiere 1940: 651).

 

Die Wollerzeugung lag z.B. im Jahre 1939 bei 5499 Gramm. Zur Selbstverwertung in der Frauenfachschaft waren jedoch nur 15 Gramm je 100 Gramm abgelieferter Wolle zugelassen.

 

Bedingt durch den 2. Weltkrieg begann ab 1939 auch für den KZV B 213 eine schwierige Zeit.

 

Die Kaninchenzucht war hauptsächlich auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet. Die Züchter waren aufgefordert nur „Wirtschaftsrassen“ zu züchten, die gute Erträge in Bezug auf Fleisch, Wolle und Felle erbrachten. Futter war aber nur noch nach Einschreibung in einer Futtermittelhandlung erhältlich. Die Ablieferung von Fellen, Wolle, Schlachttieren sowie Angora-Zuchttieren war vorgeschrieben. So wurden z.B. in 1940 88 Angora-Zuchttiere abgeliefert, wofür der Verein 924 RM erhielt. 1942 wurden die „Fachschaften“ und Sondervereine (Clubs) aufgelöst. Die Mitglieder wurden Vereinsmitglieder, das Vermögen wurde dem Vereinsvermögen zugeschlagen.

 

In der Nacht vom 2. Auf 3. Oktober 1943 wurde die Zuchtanlage in der Berg am Laim Str. durch Luftangriff vollständig zerstört. Sämtliche Stallungen mit Futtervorräten und vor allem das wertvolle Tiermaterial (Kaninchen, Geflügel und Ziegen) fielen den Flammen zum Opfer.

 

Ludwig Bauer, der zu dieser Zeit als 2. Vorsitzender die Geschicke des Vereins leitete, unternahm sofort wieder Schritte um den Aufbau der zerstörten Anlage wieder in die Wege zu leiten. Leider konnte diesbezüglich kein Ergebnis erzielt werden, da nach dessen Angaben die Bahn oder die Post Anspruch auf diesen Platz erhob.

 

In den folgenden Jahren wurden noch zahlreiche Versuche, einen neuen geeigneten Platz für eine Zuchtanlage zu bekommen, unternommen.

 

Nachdem diese Gespräche erfolglos blieben, kam das Vereinsleben praktisch zum Erliegen. Die letzte protokollierte Monatsversammlung fand am 8. Januar 1944 statt.

 

Erst 1946, am 18. Mai wurde die erste Versammlung nach Kriegsende mit 11 verbliebenen Mitgliedern abgehalten.

 

Noch ruhte das Vereinsgeschehen allgemein. Aber bald regten sich überall wieder Kräfte mit dem Ziel, die Vereine wieder zu beleben. So auch in der Kaninchenzucht. Bald war die Organisation „Zentralverband Deutscher Kaninchenzüchter“ (ZDK) mit Landes-, Bezirks- und Kreisverbänden ins Leben gerufen. Der Verein erhielt zu dieser Zeit die Bezeichnung „Kaninchenzuchtverein B 6 München – Haidhausen“.

 

Die offizielle Fortführung des Vereins war aber erst nach Lizenzierung durch die Besatzungsmacht am 8. Dezember 1947 möglich. Hierfür mussten 5 politisch einwandfreie Mitglieder und ein Dreierausschuss bürgen.

 

Nachdem das 30-jährige Gründungsfest 1943 nur im „engsten Familienkreis“ gefeiert wurde, beging der Verein am 12. September 1948 in der Gaststätte „Geflügeltes Rad“ das 35jährige Vereinsbestehen mit Alt- und Jungtierausstellung, sowie Produktenschau.

 

1949 bezog der Verein als neues Vereinslokal die Gaststätte „Meisterverein“ in der Friedenstraße, in dem auch die Wiedergründung der Selbstverwertergruppe „B 6“ der Frauen mit 8 Mitglieder und einem Anfangskapital von 2,65 DM erfolgte.

 

In der Versammlung vom 4. August 1951 konnte den Mitgliedern die erfreuliche Mitteilung gemacht werden, dass der Verein von der Eisenbahn-Landwirtschaft an der Truderingerstraße ein Grundstück zum Aufbau einer Zuchtanlage erhält.

 

Dies hatte zur Folge, dass die Vereinsmitglieder der Eisenbahn-Landwirtschaft beitraten. Der monatliche Mitgliedsbeitrag für Kaninchenzuchtverein und Eisenbahn-Landwirtschaft betrug -,60 DM. Anfang August 1952 erfolgte die schriftliche Zusage über den Erhalt des Grundstücks, sowie einem Zuschuss von 3.015,- DM für die Einzäunung.

 

Der Pachtpreis betrug 4 Pfennig pro m2. Voraussetzung für den Erhalt einer Parzelle war, dass mit mindestens 4 Rassekaninchen die Zucht betrieben wurde.

 

Die Baugenehmigung für die einzelnen Zuchtanlagen erging am 3. September 1953. Sofort gingen die Mitglieder mit Eifer an den Aufbau der Anlage.

 

Am 30. August 1953 wurde in der Gaststätte „Meisterverein“ das 40-jährige Vereinsbestehen mit Sommerfest und Tierausstellung mit Austragung der Vereinsmeisterschaft gefeiert.

 

Zur Ausstellung kamen 72 Tiere. Das Standgeld betrug 1.- DM für Alttiere und -,50 DM für Jungtiere.

 

Vereinsmeister wurde Wolfgang Windsberger mit Groß Chin. Eine Maß Bier kostete 1,20 DM. Für die musikalische Unterhaltung sorgten 6 Musiker.

 

Nachdem die Aufbauarbeiten soweit fortgeschritten waren, konnte am 21. Und 22. August 1954 in der neuen Zuchtanlage eine Sommerfest mit Platzeinweihung gefeiert werden.

 

Im Oktober 1955 erwarb der Verein eine Baracke, 9 x 15 m zum Preis von 900,- DM. Die Genehmigung zur Aufstellung erhielt der Verein im Februar 1956. Die Fertigstellung erfolgte im ersten Halbjahr 1957, so dass die erste Versammlung im neuen Vereinsheim am 6. Juli 1957 abgehalten werden konnte. Die Bewirtschaftung übernahmen Sophie und Josef Westermeier.

 

Besondere Verdienste um den Aufbau des Vereinsheimes hat sich Zuchtfreund Ludwig Bauer erworben, weshalb ihm zu Ehren dieses Heim in „Ludwig Bauer Heim“ benannt wurde.

 

Am 29. Juni 1958 wurde das 45-jährige Gründungsfest mit einem bayerischen Züchtertreffen und einer Lokalschau feierlich begangen. Zur Ausstellung kamen 90 Tiere. Vereinsmeister wurde Josef Forstner mit Biber Rex.

 

1963 konnte der Verein am 20. Und 21. Juli sein 50-jähriges Vereinsjubiläum mit Fahnenweihe und angeschlossener Kreisjungtierschau feierlich begehen.

 

Die Patenschaft übernahm der KZV B 1 München – Schwabing. Fahnenmutter war Frau Centa Bauer.

 

Von der Deutschen Bundesbahn erhielt der Verein 1966 die Nachricht, dass ein Teilstück der Gartenanlage zur Verbreiterung des Bahnkörpers im Zuge des S-Bahn Baues mit Neubau des Abstellbahnhofes Steinhausen abgetreten werden muss. Sieben Gartenpächtern wurde die Kündigung ihrer Gärten angekündigt. Der Einsicht der Bundesbahn ist es zu verdanken, dass infolge Planungsänderung keine Pachtgärten verloren gegangen sind. Die betroffenen Gartenpächter mussten jedoch zum Teil erhebliche Flächeneinbußen in Kauf nehmen.

 

Erste Gedanken über den Bau einer Kegelbahn tauchten im Januar 1966 auf. Spontan wurde mit der Planung begonnen. Aus finanziellen Gründen wurden Ziegelsteine aus Abbruchgebäuden gewonnen.

 

1968 erhielt der Verein von der BLW die Genehmigung zum Bau der Kegelbahn. Die daraufhin begonnenen Bauarbeiten wurden nach kurzer Zeit durch die Lokalbaukommission wegen Ausführung eines nicht genehmigten Baues eingestellt.

 

Nachdem die Genehmigung der Pläne durch die LBK im Juli 1970 endlich erfolgte, wurden die Bauarbeiten sofort wieder aufgenommen und verstärkt fortgeführt, so dass diese im April 1971 abgeschlossen und die Einweihung am 2. Mai 1971 feierlich begangen werden konnte.

 

Die Frauengruppe, die unter Leitung von Frau Ella Hanslmaier stand, wurde zum 31. Dezember 1975 aufgelöst. Die immer wieder seitens der Mitglieder beantragte Eintragung des Vereins in das Vereinsregister wurde 1^978 vollzogen. Die Sommerfeste, ursprünglich nur eintägig veranstaltet, wurden wegen des großen Zuspruchs ab Mitte der 60er Jahre auf zwei Tage ausgedehnt. Gefeiert wurde in einem Zelt, das ohne große Planung alljährlich mit viel Arbeitsaufwand aufgestellt wurde. 1970 erwarb der Verein vom inzwischen aufgelösten KZV B 7 München – Sendling ein Zelt, das den Auf- und Abbau wesentlich erleichterte. Diese Zelte bestanden aus einer Holzkonstruktion, die teilweise mit Leihplanen abgedeckt waren. Im Laufe der Jahre wurde die Beschaffung geeigneter Leihplanen immer schwieriger, so dass man 1985 daran ging, ein neues Zelt in Alu-Konstruktion mit dazugehörigen Planen zu erwerben.

 

Das Vereinsheim, bisher immer noch im Barackenähnlichen Zustand, wurde 1980 mit großem Kostenaufwand umgebaut.